Bundesseminar der Maler/in und Beschichtungstechniker/in 2017

Vom 15. Mai – 19. Mai fand das jährliche Bundesseminar an der Tiroler Fachberufsschule für Bautechnik und Malerei in Absam statt.

Das Thema der Veranstaltung lautete „Denkmalpflegerische und historische Maltechniken“. Es wurde darauf geachtet, dass sich dieses Thema als roter Faden durch die ganze Woche spannte.

Erfreulich war, dass sich aus jedem Bundesland Lehrer und Lehrerinnen für das Bundesseminar angemeldet hatten.            
Dieses Treffen sollte nicht nur fachlich weiterbilden sondern auch den verschiedenen Berufsschulen eine Möglichkeit bieten, sich fachlich und didaktisch auszutauschen und abzustimmen.

Ein weiteres Anliegen dieser Veranstaltung war, dass auch die Bundes- und Landesinnungen einen jährlichen Interessensaustausch mit den Berufsschulen wahrnehmen können. Im heurigen Jahr waren auch Vertreter der Industrie anwesend und nutzten diese Plattform für eine zielführende Konsensfindung im Bezug „Lehrlings – Akquirierung“. Dieses Treffen fand am Mittwoch ab 16:00 in Absam statt. Zu Beginn trafen sich die Vertreter der Landes- und Bundesinnungen und die Vertreter aus der Industrie (STO, Synthesa, Brillux) und vereinbarten die weitere Vorgehensweise, um den Beruf Maler/in und Beschichtungstechniker/in für Jugendliche wieder schmackhaft zu machen. Im Anschluss kamen die Lehrer und Lehrerinnen der Berufsschulen hinzu. Dabei wurde erörtert, welche Problematiken in den Bundesländern noch vorliegen, aber auch die positiven Entwicklungen wurden zu Protokoll gebracht.

15. Mai 2017

Am Montagnachmittag wurden wir im Rathaussaal der Stadt Hall von Vizebürgermeister Werner Nuding herzlich willkommen geheißen. Die historischen Hintergründe wurden von Andrea Weber anschaulich und lebendig erklärt. Die denkmalpflegerischen Details erläuterte Bertram Posch, der als Experte im Bauamt Hall seine Aufgabe hervorragend erfüllt.

Wir bekamen einen historischen Einblick über das Rathaus, den oberen Stadtplatz und dessen Fundstücke an der Fassade. Im Anschluss wurden wir von Mitarbeitern der Firma Niederhauser über die Restaurierungsmaßnahmen der Pfarrkirche Hall informiert. Nach einem anschaulichen Spaziergang durch die Altstadt wurde uns das Projekt „Goldener Engel“ vorgestellt und in der Kunstgallerie durften wir auf den Turm den Ausblick auf die Altstadt genießen.

Herr Ing. Werner Jud ermöglichte uns einen Einblick in die laufende Restaurierungsarbeit des zukünftigen B&B Hotels seiner Tochter. Bei der Besichtigung waren die Befundungsarbeiten bereits abgeschlossen und die einzelnen Farbschichten konnten datiert werden. Daraufhin wurde beschlossen, dass der größte Teil der Innenräume in der Barocken Phase restauriert wird und ein Zimmer die gotische Zeitepoche zeigen soll.

16. Mai 2017

Restaurator Franz Niederhauser erklärte uns am Dienstagvormittag anhand der Kirche in Zell am Ziller den fachgerechten Ablauf einer Restaurierung. Er erklärte uns ausführlich seine Arbeitsschritte, Ausführungen und Dokumentationen vor Ort. Die Ausmalung der Kirche samt dem imposanten Deckengemälde stammt vom Brixner Hofmaler Franz Anton Zeiller und wurde 1782 vollendet. Die gesamte Fassung wurde mit Kalkfarben beschichtet. Ein großes Problem stellten die feuchten Stellen im Sockelbereich und die starke Verschmutzung der Deckenfresken durch Vogelkot dar. Die Laternendecke musste von Niederhauser Franz komplett rekonstruiert werden. Die Wände konnten durch aufwändiges Freilegen und nur wenige Retuschierarbeiten in die ursprüngliche Fassung gebracht werden.

Am Dienstagnachmittag beeindruckte uns die Fassadenvielfalt der Innsbrucker Altstadt. Frau Dr. Mag. Czernohaus gab uns einen Einblick, wie reichhaltig die Epochen in der Altstadt Haus an Haus vertreten sind.

„Innsbruck ist klein, aber aus gleichförmigen Gebäuden zusammengesetzt, als ob es ein durchgehendes Haus wäre“ aus den Tischreden von Martin Luther

17. Mai 2017

Am Mittwoch fand der praktische Teil dieser Woche in der Werkstätte der TFBS Bautechnik und Malerei statt. Der Workshop „Einführung in die Fresco- und Seccotechnik“ fand unter der Leitung von Dipl.-Päd. Christian Preisenhammer statt. „Die Auseinandersetzung mit historischen Materialien und Techniken kann im Rahmen dieses Workshops nur den ‚Wimpernschlag‘ eines Eindrucks von dem vermitteln, was den virtuosen Meistern, insbesondere der Renaissance und des Barock, in ihrer jahrzehntelangen Erfahrung gelungen ist. Was jedoch sehr wohl möglich ist – das Interesse an diesen historischen, auf komplexen Erfahrungen beruhenden, nicht alltäglichen Techniken zu wecken und sich gegebenenfalls weiter damit zu beschäftigen. Denn nur die Kombination aus Wissen und Erfahrung erlaubt uns die ‚Sprache‘ der Meister und deren Werke zu deuten und vielleicht ein wenig
verständlich zu machen.“ 
Die vorbereiteten Platten wurden mit einem frischen Kalkputz (Innsand-Sumpfkalk-Mischung) überzogen, glatt abgezogen und mit einer Kalkschlemme leicht verdichtet. Anschließend bereiteten wir die Kalk-Kasein-Farbe zu und versuchten uns in der Seccotechnik oder mit KEIM-Silikat Produkten. Die Arbeiten wurden auf die Platten aufgepaust und nach Vorlagen ausgemalt. Am Nachmittag waren die Freskoplatten soweit angetrocknet, dass wir uns ans Werk machen konnten. Eine besondere Herausforderung war die Vorgehensweise, von dunkel auf hell zu arbeiten. Wir hatten alle ein gelungenes Endprodukt.

18. Mai 2017

Am Donnerstagvormittag wurden bei der Firma ADLER-Werk Lackfabrik die historischen Beschichtungstechniken und denkmalpflegerischen Möglichkeiten auf Holzuntergründen theoretisch und anhand von Praxisbeispielen besprochen und getestet. Im Anschluss fand noch eine Firmenbesichtigung der Lackproduktion statt. Am Nachmittag bekamen wir einen Einblick über die Restaurierungsarbeiten am Mathoihaus, das ein kulturhistorisches Bauensemble in Schwaz ist

19. Mai 2017

Am Freitagvormittag führte uns Ing. Werner Jud durch die Burg Hasegg, das angrenzende Münzmuseum und den Münzturm. Er erklärte uns die einzelnen Bauabschnitte und die jeweiligen Erkenntnisse in der Denkmalpflege, da die Restaurierungsarbeiten der Burg über ca. 20 Jahre andauerten. An diesem architektonischen Beispiel sind die Erneuerungen dezent aber doch klar erkennbar ergänzt worden. Es ist ein gelungenes Gesamtprojekt entstanden.

Abschließend möchte ich mich bei allen Firmen für ihr großzügiges Sponsoring bedanken. Ohne die Unterstützung der Wirtschaft wäre diese Woche nicht in dieser Form umsetzbar gewesen.

Firma STO, Firma Gasperl und Schladeck, Firma Keim, Firma Synthesa,
Firma Canal und Co, Lagerhaus Innsbruck, Landesinnung Tirol

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Fotos und Bearbeitung von Anja Werle
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